Die Schreibblockade – das Schreckgespenst eines Autors. Hat es auch dich schon einmal terrorisiert? Nein, ich habe momentan keine Schreibblockade, doch ich übergebe heute die Tastatur trotzdem an Marek Firlej. Weil er als Anstifter zum Wort nämlich ein Profi auf dem Gebiet ist, diesem Ärgernis den Garaus zu machen:

Don’t stop me now!

„Lass knacken“, denkt sich Jolanda, „heute schreibe ich mein Buch“. Nicht komplett, natürlich, aber ein paar Seiten kriegt sie an diesem Nachmittag hin. Am nächsten Tag kommen noch ein paar Seiten hinzu und nach einer Woche voller Ideen, die geradezu ungehemmt aus ihrem Kopf über die Hände und die Tastatur ins Word-Dokument heraussprudeln … hat es sich auf einmal ausgesprudelt.

Es fließt nicht, es tröpfelt nicht einmal mehr, die Worte glibbern wie zähflüssiger Kautschuk und hinterlassen keine sprachlichen Perlen, sondern Buchstabenmüll. Jolanda sitzt vor dem Computer, der Cursor blinkt am Ende des Dokuments und rührt sich seit einer geschlagenen Stunde nicht vom Fleck. Die Autorin wird unruhig und mit jeder Minute, die sie keinen Satz zustande bringt, wird die eigentliche Frage „Wie geht es jetzt weiter?“ mehr vom vernichtenden Gedanken „Das wird eh nichts“ verdrängt.

Ihrem Freund Karsten ist das auch schon passiert, der kam allerdings ganz zu Anfang nicht weiter. Keinen Satz hat er hingekriegt, denn er wollte einen bombastischen Einstieg. Da er den nach zwei Tagen nicht gefunden hat, ist aus seinem ganzen Buch nichts geworden, das viel mehr zu bieten hätte als einen tollen Einstieg.

Du befindest dich in erlesener Gesellschaft

Und die beiden sind damit keineswegs allein. Egal welchen Autor, welche Autorin man fragt, ob in 20 Sprachen übersetzt oder nur für die kleinstädtische Poetry-Slam-Bühne schreibend, wohl kaum jemand wird diese Situation nicht kennen.

Du bist also nicht allein. Du befindest dich vielmehr in einer erlesenen, kreativen Gesellschaft. Denn wer schreibt, der weiß, was ich meine, und der hat die gleiche Angst davor wie du. Es gibt im Deutschen ein Wort für den Schrecken aller Autoren (und damit ist hier ausnahmsweise nicht der Literaturkritiker gemeint): Die Schreibblockade.

Wäre es aussichtslos, gäbe es keine Schriftsteller

Doch wären Schriftsteller keine Schriftsteller, wenn sie nicht über ihre Schreibblockaden hinwegkämen. Sonst wären es ja Schriftblockierte.

Es gibt unterschiedliche Schreibtypen. Manche schreiben gerne nachts, andere vor der Arbeit, manche tun es in der Küche, andere lieber im Schlafzimmer. Wann, wo und wie genau du am besten und am liebsten schreibst, musst du selbst herausfinden.

Aber ein paar Tipps kann ich dir geben, die dir ziemlich unabhängig von deinem Schreibtyp helfen können, deine Schreibblockade zu überwinden.

#1: Lass dich nicht ablenken!

Dies ist, denke ich, der wichtigste Punkt überhaupt, um beim Schreiben voranzukommen. Wie schnell neigen wir doch alle dazu, uns vom nächstbesten Ablenkungsmanöver unserer Umwelt mitreißen zu lassen. Statt unsere Gedanken schweifen zu lassen, unsere Fantasie Blüten treiben zu lassen, unsere Konzentration verdichten zu lassen, kommt: Handy, Facebook, aufräumen.

Handy aus! Keine Anrufe, keine SMS, keine WhatsApp-Nachrichten. Der Austausch mit Menschen ist sehr wichtig, wenn du ein gutes Buch schreiben willst, aber wenn du gerade akut schreiben, tippen, formulieren willst, kannst du das nicht gebrauchen.

Dieses soziale Netzwerk … Segen oder Fluch? Wenn es nach mir geht: Ein nettes Werkzeug für soziale Kontakte und Marketing, aber ganz eindeutig: Fluch für all diejenigen, die arbeiten wollen. Für alle, die eigentlich kreativ sein wollen. Stoppe doch mal die Zeit, die du auf Facebook am Tag verbringst. Für viele, die dies hier lesen, wird ein erschreckender Wert herauskommen.

Deshalb: Mach Facebook aus, wenn du schreiben willst. Lass die Zeitfressmaschine aus. Kappe die Internetverbindung, installiere dir eine Software, die bestimmte Seiten auf Zeit sperrt, egal wie: Wenn du schreibst, ist Zuckerberg nicht dein Freund. Was uns auch gerne ablenkt: Hausarbeit. Nie ist die Küche so sauber, als dann, wenn man eigentlich ein Buch schreiben sollte. (In dem Moment, wo ich dies schreibe, sehe ich meinen Frühstücksteller neben dem Schreibtisch und ich merke, wie hungrig ich gerade bin … Nein, Marek! Pfui! Aus!)

#2: Richte dir regelmäßige Schreibzeiten ein

Nimm dir Zeit fürs Schreiben. Und auch nur dafür. Finde heraus, was dir am ehesten liegt und wann du Zeit investieren kannst: Jeden Tag eine Stunde oder zweimal die Woche vier Stunden?

Das liegt an dir. Wichtig ist aber: In diesen Zeitfenstern machst du nichts anderes als zu schreiben. Du lässt dich nicht ablenken (siehe oben … nein sieh nicht nach oben! Du sollst dich doch nicht ablenken lassen!). Du sagst dir auch nicht: „Eigentlich müsste ich jetzt meine Steuererklärung machen“. Und erst recht nicht: „Heute ist das Wetter so schön, da lasse ich ausnahmsweise das Schreiben sein und fahre an den See.“

Und bevor du also in der Schreibzeit nichts tust, schreibst du lieber. Einfach so. Einfach drauflos. Oh, das ist ja schon der nächste Punkt.

#3: Einfach mal fließen lassen

Du sitzt also in deinem Arbeitszimmer. Um dich herum ist nichts, was dich ablenken könnte. Und du hast dir vorgenommen, die nächsten zwei Stunden nichts anderes zu tun als zu schreiben. Aber du kannst nicht. Schreibblockade halt.

Es muss nicht unbedingt an der Stelle ansetzen, an der du gerade zugange warst. Vielleicht sind deine Gedanken ja eigentlich, ohne dass du es merkst, bei einer ganz anderen Szene. Dann setze einfach dort an! Es muss auch nicht gut werden. Aber es kann. Schreibblockaden entstehen oft einfach nur dadurch, dass wir Zweifel haben. Unnötige Zweifel.

Schreib einfach drauflos. Was und wie es dir in den Sinn kommt. Und wenn du am Ende zehn Seiten geschrieben hast, auf denen du jeden zweiten Satz wieder löschen kannst, dann hast du immer noch fünf Seiten mehr geschafft, als wenn du in deiner Blockade versackt wärst.

#4: Mach den Charles Dickens

Sind die meisten von uns eigentlich Masochisten? Wir schreiben, weil es uns Spaß macht, aber ohne Druck, ohne ein wenig Stress können viele von uns nicht. Setz dir Fristen, wann du wie viele Seiten fertig haben willst. Am besten hast du einen „Schreibbegleiter“, der auch überprüft, dass du deine Fristen einhältst und dich gegebenenfalls sanktioniert:

Du wolltest doch heute 20 Seiten fertig haben. Das sind aber nur 10. Dann gibt es heute eben keine Lasagne!

Du wirst sehen, wie du vor Ablauf der nächsten Frist vor Lasagne-Hunger noch einmal ordentlich in die Tasten haust!

Charles Dickens, wohl unbestritten einer der größten Schriftsteller überhaupt, hat das Ganze auf die Spitze getrieben: Er veröffentlichte viele seiner Werke in Zeitungen und Zeitschriften. Oliver Twist, die eindrückliche Erzählung über das harte Leben des gleichnamigen Waisenjungen im Londoner Elendsviertel, erschien von 1837 bis 1839 in einer Zeitschrift. So stand Dickens stets unter Termindruck, die Geschichte weiterzuführen.

Nur unter Druck entstehen Diamanten – ist da etwas dran?

 #5: Am Ende steht die Belohnung

Das habe ich auch gerade angeschnitten: Wer sich unter Druck setzt, darf sich auch belohnen.  Wenn du deine dir selbst gesteckten (realistischen!) Ziele erreichst, dann darfst du dich natürlich auch dafür belohnen (lassen)!

Du warst in deiner Schreibzeit nicht ein Mal auf Facebook? Dafür darfst du jetzt mit gutem Gewissen zwei Folgen deiner Lieblingsserie gucken. Du hast in dieser Woche tatsächlich so viele Seiten geschrieben wie du dir vorgenommen hast? Dann wartet in der Pizzeria nebenan eine leckere Salamipizza mit extra Käse auf dich!

Gib nicht auf, deinen Traum wahr werden zu lassen!

Du willst dieses Buch! Du weißt, dass es gut wird! Dann lass dich nicht von solchen Kleinigkeiten wie einer Schreibblockade aus der Ruhe bringen. Du siehst, du bist nicht allein und das Hindernis ist nicht unüberwindbar!

Dein Traum vom Buch muss kein Traum bleiben!

 

Marek Firlej

Marek Firlej liebt das gesprochene und geschriebene Wort. Als Germanist, Redakteur, Heavy-Metal-Literat und Büchersammler hilft er dir – zusammen mit Christine Pepersack – auf seinem Blog www.anstiftungzumwort.de deinen Traum vom Buch zu verwirklichen.

 

Bilder:
Katze: © ilietus – Fotolia.com
Marek Firlej: © Frost Fotografie