Warum du ohne Konzept deine Leser vergraulst

»Das war der schlechteste Film, den ich je gesehen habe!«, urteilte meine Tochter vernichtend, während im Kino der Abspann von »Joy« lief. Ich konnte ihr nicht widersprechen. Und während sich bei mir das professionelle Gedankenkarussel drehte, ich noch mitten in der Analyse war, setzte sie nach: »Im Fernsehen schalte ich nach zehn Minuten ab.«

Die Idee dieses Films war gut, doch die Story eine einzige Katastrophe. Ob Film oder Roman, eine gute Idee reicht nicht, wenn es kein oder ein miserables Konzept gibt. Im Fernsehen switchen Zuschauer auf einen anderen Kanal, deinen Roman klappen sie zu. Oder sie klicken die Leseprobe weg und verschwinden auf Nimmerwiedersehen. Was also brauchst du, damit du dein Publikum nicht verlierst?

Der Pitch macht neugierig

Wir hätten uns diesen Film nie angeschaut, wenn uns nicht der Pitch angesprochen hätte. Der Pitch – oder beim Roman die Prämisse – ist die Kürzestfassung der Story. Die Geschichte in ein, zwei Sätzen. Kannst du deinen Roman auf den Punkt bringen? Versuche mal als Leser zu denken. Du stehst in einer Buchhandlung und suchst einen Krimi. »Der Kommissar entlarvt den Mörder« ist definitiv kein Pitch, der dich ansprechen wird, denn das setzt du bei einem Krimi voraus.

Was macht deine Geschichte besonders? Was hebt sie von zehntausend Geschichten im selben Genre ab? Warum sollte ich gerade deinen Krimi lesen?

Drei Storys sind zwei zu viel

Der tollste Pitch bringt dir aber nichts, wenn du ihn mit deiner Story nicht einlöst. Ja noch schlimmer, wenn es gar keine oder zu viele Storys gibt! Das war das Problem mit diesem Film, der Drehbuchautor konnte sich nicht entscheiden, welche Geschichte er erzählt. Hätte »Joy« ungefähr nach dem ersten Drittel begonnen und nach dem zweiten aufgehört, hätte der Film durchaus Potenzial. Ebenso, wenn die Story nur aus dem dritten Akt bestanden hätte. Für Freunde der Groteske hätte möglicherweise auch der erste Akt funktioniert (reine Geschmackssache, meiner ist es nicht). Drei Storys ergeben zusammen nur Wirrwarr. Was sah ich denn nun? Familien-Groteske? Vom-Tellerwäscher-zum-Millionär? Oder doch Von-Jungunternehmerin-zur-Konzernchefin?

Wie sieht das in deinem Roman aus? Hast auch du ein Konglomerat aus Einfällen und fehlt dir der Mut, dich für einen davon zu entscheiden? Dein Leser will wissen, welche Geschichte du erzählst, er will einer Hauptstory folgen.

Genres geben deiner Story den Rahmen

Zu den drei Storys kamen auch noch mehrere Genres. Groteske. Comedy. Märchen. Drama. Entwicklungsroman. Medienkritik. Und noch ein paar andere. Dabei sollte das Genre eigentlich Orientierung geben. Die Einordnung in ein Genre ist kein kleinkariertes Schubladendenken, mit dem deine Kreativität eingeschränkt werden soll, sondern es ist ein Marketinginstrument. Verleger und Buchhändler brauchen das Genre, um dein Buch an die richtigen Leser zu bringen. Leser brauchen es, um eine Vorauswahl zu treffen. Dann wissen sie nämlich, was sie sich erwarten dürfen, und du sprichst genau das Publikum an, das deinen Roman auch mögen wird.

Deine Story, dein Schreibstil, dein Cover und dein Klappentext müssen sich am Genre orientieren. Klar kannst du Genres kombinieren, wunderbar ist das in »Der Fluch der Karibik« aufgegangen, dieser genialen Mischung aus Abenteuer, Komödie und Fantasy. Du kannst einen ScFi-Thriller schreiben oder eine Krimi-Parodie. Romantasy, Steampunk, was auch immer. Aber nicht nacheinander im selben Roman. Beginnst du als Groteske, zieh das bitte durch. Wenn du einen Thriller beginnst, beende ihn nicht als Komödie. Entscheide dich für ein Genre oder einen Genre-Mix und mache dich über die Konventionen in diesem Genre schlau.

Schreibe Figuren, keine Klischees

Es gab eine bunte Mischung aus Figuren, eine schrille Ansammlung von Typen ohne Tiefgang. Kein Klischee wurde ausgelassen, darüber konnten selbst die namhaften Darsteller nicht hinwegtäuschen. Im Grunde ließ sich das komplette Personal auf zwei Positionen reduzieren: Gut aber schräg. Überirdisch gut und vom Schicksal geprügelt. Na immerhin einen brennenden Wunsch hatte die Protagonistin, wenngleich der erst zu Beginn des zweiten Drittels klar war. Kein Wunder, dass da die Story erst begann.

Sind deine Figuren aus Fleisch und Blut oder sind sie leere Hülsen? Kannst du sie beliebig austauschen? Motivieren die Sehnsüchte der Figuren ihre Handlungen? Passen die Handlungen zu ihren Voraussetzungen und ihrem Charakter?

Wie glaubwürdig ist die Handlung?

Da kommt die Protagonistin in eine handfeste Krise, ihr Projekt droht zu scheitern, aber dann …! Dann zaubert der Ex-Gatte, seines Zeichens ein charmanter Versager, einen hochkarätigen Kontakt aus der Tasche. Andere Krise – immerhin, steigender Konflikt! – und sie packt ihre Siebensachen und platzt in ein Führungskräftemeeting eben dieser Kontaktperson. Der Topmanager lässt sie nicht etwa von der Security hinauswerfen, sondern gibt ihr eine zweite Chance. Ok, er ist verliebt, denke ich. Dieses Klischee wäre noch glaubwürdiger gewesen als das, was dann kam: Ein Neuling vor der Kamera in einer Live-Sendung. Erster Eindruck komplett in den Sand gesetzt, aber die Kameras bleiben an. Und dann der fulminante Auftritt. Wer’s glaubt! Wie sie Krise Nummer drei – Hut ab, der Konflikt steigt doch tatsächlich ein weiteres Mal – meistert, erspare ich dir.

Du kannst Märchen schreiben, Paranormales und Fantasy. Du kannst Magie einsetzen und Außerirdische. Aber innerhalb deiner Romanwelt musst du glaubwürdig bleiben.

Wie sieht dein Romankonzept aus?

Dämmert dir langsam, warum eine Idee allein nicht reicht? Dass du deinem Roman besser Zügel anlegst? Drauflos schreiben macht Spaß, da stimme ich dir zu. Aber wenn du einfach drauflos schreibst, knallst du mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit mit 130 km/h gegen die Wand. Gehe deinen Roman überlegt an, du musst nicht jedes Detail planen, aber die wesentlichen Punkte. Die, die ihn in den Sand setzen, wenn du nicht rechtzeitig daran denkst.

Deshalb habe ich den Online-Kurs Der Masterplan – Von der Idee zum Romankonzept für dich entwickelt. Damit dir das nicht passiert. Damit dein Roman Hand und Fuß hat, eine geniale Story, mitreißende Figuren und einen logischen Plot. Ich zeige dir in diesem Kurs alles von Genre und Prämisse über Figurenlehre, Plottingmethoden und Plot-Modellen. Du lernst, deine Spannungsbögen aufzubauen, deine Informationen zum richtigen Zeitpunkt einzustreuen und deine Leser von Anfang bis Ende bei der Stange zu halten.

Kannst du auch mitmachen, wenn du ein Bauchschreiber bist?

Ja, unbedingt! Auch ich plane nicht jedes Detail vorab, ich weiß, wie wichtig Flexibilität beim Schreiben ist. Ich weiß aber auch, wie viel Sicherheit dir Struktur bringt und welche zusätzlichen Freiheiten sie dir eröffnet. Als Bauchschreiber findest du im Kurs ein Netz, das dich jederzeit sicher auffängt.

Ursprünglich bot ich den Kurs nur ein oder zweimal im Jahr an. Aber ein gutes Konzept ist zu wichtig, als dass ich dich in den kursfreien Zeiten im Dunkeln tappen lassen will. Deshalb kannst du jetzt jederzeit einsteigen. Je früher, desto schneller wird das etas mit deinem Roman und deinem Konzept. Die Zeit ist einfach zu kostbar für schlechte Romane. Verschwende sie nicht, schreib lieber gute!
Sehen wir uns im Kurs?

Viel Spaß beim Schreiben!

Deine Barbara

Bild: © olly –Fotolia.com

2017-06-09T18:44:33+00:00

About the Author:

Barbara Drucker ist Schriftstellerin und Schreibcoach. Sie schreibt historische Thriller und Gay Romantic Suspense und zeigt dir, wie auch du ausgezeichnete Romane und Pageturner schreibst, die deine Leser verschlingen.

4 Comments

  1. Astrid von Weittenhiller 15. Januar 2016 at 16:32 - Reply

    Hihi, die lustigste Filmkritik seit langem 😉
    Wie war das: Alles dient einem guten Zweck – und wenn es als schlechtes Beispiel ist.

    • Aventiure 15. Januar 2016 at 17:57 - Reply

      Liebe Astrid,

      Manche Dinge muss man einfach mit Humor nehmen – vor allem die, die eigentlich zum Heulen sind 😉

      Liebe Grüße
      Barbara

  2. Velutina 16. Januar 2016 at 16:08 - Reply

    Hallo Barbara,

    ich war erst grad etwas geschockt, als du geschrieben hast, dass Joy „ein schlechtes Beispiel“ sei… Aber nun ja, in der Theorie hast du ja wirklich recht. In der Praxis gefiel mir der Film doch noch ziemlich gut, wenn er auch für mich nicht umwerfend war und sich „nur“ „an der Originalgeschichte ORIENTIERT… Bei „Under the tuscan sun“ habe ich Buch (quasi ein Tagebuch) bis zu knapp einem Drittel gelesen (englisch war langatmig) und Filmtrailer angesehen. 2 verschiedene Geschichten mit dem gleichen Titel!!! Das kommt heraus, wenn es nur „basierend auf wahrer Geschichte“ ist… Ich finde es allgemein sehr wertvoll, dass wir Autoren Bücher und Filme auseinander nehmen und daraus lernen. Gerne mehr davon 😉 Macht natürlich nur Spass, wenn man das Buch/Film zufällig (so wie Joy) auch gesehen hat…

    • Aventiure 17. Januar 2016 at 0:07 - Reply

      Liebe Velutina,

      Wie gesagt, „Joy“ werfe ich die fehlende Konzentration auf eine Story vor. „Under the tuscan sun“ kenne ich nur als Film, und den fand ich gut. Allerdings hörte ich schon, dass das Buch langweilig sein soll. Ich könnte etliche Fälle aufzählen, in denen der Film besser war als der Roman, weil die Schwächen des Romans beseitigt wurden.

      Liebe Grüße
      Barbara

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