Am Ende kommt der Tsunami

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Zusammenfassung

Wir sind uns sicher einig, dass du spannend schreiben musst, um deine Leser zu fesseln. Und mit spannend meine ich jetzt nicht unbedingt Thrill oder Action, sondern Fragen und Konflikte, auf deren Lösung deine Leser hinfiebern. Ich bin auch sicher, dass du bereits eine Reihe an Szenen im Kopf hast, sonst würdest du ja die Geschichte gar nicht schreiben wollen. Aber wie ordnest du die Szenen am besten an?

Vor Kurzem war ich in einem Konzert. Ein tolles Orchester spielte, das angekündigte Stück klang verheißungsvoll. »Schwanensee-Suite« von Tschaikowski, einem meiner Lieblingskomponisten. Und doch ging ich frustriert nach Hause. Was war passiert?

»Schwanensee« ist ein Ballett, und für das Konzert musste der Dirigent eine Auswahl aus den einzelnen Szenen treffen. Er begann mit diesem großartigen, bekannten Thema, das gleich einmal die Emotionen so richtig packt und dich in eine unvergleichliche Atmosphäre versetzt. Und dann wurde es immer leiser, feiner und lyrischer. Und dann war es auf einmal aus. Nichts gegen leise, fein und lyrisch, aber bitte an der richtigen Stelle. Bei Tschaikowski erwarte ich mir ein grandioses Finale, aufwühlend, ein bombastisches Eintauchen in die Gefühle, das ich noch auf der ganzen Heimfahrt im Ohr habe. Und um dieses Aufwühlen und Nachhallen fühlte ich mich betrogen.

Genauso ist es mit deinem Roman. Das Finale gehört an den Schluss, nicht irgendwohin. Mit der Eröffnungsszene zeigst du dein Können, machst deinen Lesern den Mund wässrig auf das, was noch kommt. Aber du legst damit auch die Latte fest für alles, was noch kommt, und diese Latte musst du Szene für Szene ein Stückchen höher ansetzen. Steigende Konflikte nennt man das. Die ersten Konflikte sind noch harmlos, die kann man noch irgendwie lösen, doch dann steht immer mehr auf dem Spiel, es wird noch spannender, der Einsatz wird noch höher. Deshalb ist es so wichtig, dass du deinen Showdown kennst. In ihm steht alles auf der Kippe und er kommt kurz vor dem Schluss.

Pass auf, dass dir dein Ende nicht zerfasert. Umspiele deine Leser nicht mit einer sanften Welle, sondern lass den Tsunami über ihren Köpfen zusammenschlagen und wühle sie am Schluss noch mal so richtig auf.

By |2018-10-16T10:57:27+00:00Oktober 12th, 2018|Categories: Vlog|Tags: , , |

About the Author:

Barbara Drucker ist Schriftstellerin und Schreibcoach. Sie schreibt historische Thriller und Gay Romantic Suspense und zeigt dir, wie auch du ausgezeichnete Romane und Pageturner schreibst, die deine Leser verschlingen.