10 Gründe, warum du vor der KI keine Angst haben musst

10 Gründe, warum du vor der KI keine Angst haben musst

Wer Unikate schreibt, muss die KI nicht fürchten. So einfach ist das. Schwierig wird es erst dann, wenn du austauschbar bist. Aber willst du das überhaupt sein? Hast du zu schreiben angefangen, um im Einheitsbrei unterzugehen? Was dir die beste KI der Welt nicht nehmen kann, ist deine Seele. Dir ist beim Gedanken an sie trotzdem ein bisschen mulmig? Ich gebe dir 10 Gründe, warum sich dein Blutdruck wieder normalisieren darf.

1. Schreibe keine austauschbaren Texte

Die KI kann das hochrechnen, was sie von anderen Texten ausgelesen hat. Wenn du Geschichten schreibst, die es bereits zuhauf gibt und bei denen du nur mehr die Namen der Figuren, ihre Berufe und vielleicht noch den Wohnort geringfügig anpasst, kann es eng werden. Also beispielsweise Genreromane, die nach dem immer gleichen Muster funktionieren. Facebook-Ads, die du in deinem Newsfeed kaum mehr auseinanderhalten kannst. Blogartikel, die einander wie ein Ei dem anderen gleichen. Aber das tust du ja ohnehin nicht, oder?

2. Schreibe für eine anspruchsvolle Zielgruppe

Fürchtet sich Armani vor H & M? Wohl kaum. Wenn du nicht die breite Masse anvisierst, sondern Leute, die Qualität zu schätzen wissen, verkaufst du über die besondere Aura, die alles umgibt, was aus deiner Feder stammt. Und nebenbei entgehst du dadurch auch der Preisdiskussion und musst deine mit Herzblut geschriebenen Texte nicht wie Ramsch verscherbeln.

3. Zeige Ecken und Kanten

Die KI lernt dazu, so ist sie programmiert. Es gehört zu ihrem Wesen, immer besser zu werden. Aber ist makellos wirklich erstrebenswert? Das ist wie mit den überperfekten Charakteren, die schnell langweilen. Zu glatt und perfekt ist uninteressant, wir wollen es menscheln spüren.

4. Sei authentisch und schreibe in deiner eigenen Sprache

Damit meine ich nicht deine Muttersprache, sondern deine Tonalität. Deinen Stil. Deine ganz persönliche Ausdrucksweise. Ich bin sehr zuversichtlich, dass die KI diese ganz individuelle Mischung aus Augenzwinkern, Subtext, in meinem Fall Wiener Schmäh und gehobener, aber gleichzeitig gesprochener Sprache nicht hinbekommt. Und wenn doch, dann habe diese Sprachnische bereits ich besetzt. Also trau dich und sei ein Original.

5. Passe die Sprache an die Geschichte an

Ich selbst schreibe in drei verschiedenen Genres und dazu kommen noch die jeweiligen Nachwörter und die Newsletter-, Blog- und Social-Media-Texte, in denen ich mit dir kommuniziere. Am radikalsten merkst du den Unterschied in meinen Büchern, wo ich eine Erzählerstimme habe und im Nachwort meine eigene verwende.

Als gute Erzählerin passt du den Ton an die Geschichte an. Ein historischer Geheimbundroman liest sich anders als ein romantischer Thriller in der Gegenwart, eine Urban Fantasy erfordert eine andere Sprache als ein Wien-Krimi.

6. Maschinen rechnen, Künstler kreieren

Wenn wir schon beim Erzählen sind: Warum hast du seinerzeit zu schreiben begonnen? War es nicht aus dieser unbändigen Freude an deiner Kreativität heraus? Mit Worten etwas zu schaffen, Gedankentürme und ganze Welten zu bauen? Lass die KI ruhig banale Gebrauchstexte verfassen und du huldige deiner schöpferischen Ader.

7. Unterschätze nie den Überraschungseffekt

Du kannst Leser überraschen, die Maschine kann das nicht. Sie kann dir etwas vorschlagen, was schon einmal geäußert wurde, aber sie kann es nicht sinnvoll kombinieren. Ja klar, vielleicht durch einen Zufallsgenerator, aber wie hoch mag die Quote an wirklich sinnvollen Treffern sein? Wenn du überraschende, aus den Charakteren gesteuerte Wendungen schreiben willst, hast du gegenüber der KI allemal die Nase vorn.

8. Die KI kann das Muster von Storytelling erkennen, aber sie füllt es mit Stereotypen

Worin verliebst du dich? In ein Skelett oder in einen Menschen aus Fleisch und Blut? Natürlich gibt es erprobte Strukturen wie die Heldenreise oder den Hollywood-Dreiakter. Solche Strukturen kann die KI erkennen oder erlernen. Wenn noch nicht jetzt, dann ziemlich sicher in naher Zukunft. Aber ohne mehrdimensionale Charaktere bleibt eine Geschichte flach wie ein Abziehbild. Klischees reichen für Konsumliteratur, doch nicht, um in Erinnerung zu bleiben.

9. Können andere überhaupt erfüllen, was die Maschine verspricht?

Wiederum liegt die Schwachstelle der KI bei ihrem Datenmaterial. Sie rechnet hoch und schreibt Texte, die ihrer Berechnung nach den Erwartungen entsprechen. Aber wo bleibt die Seele in diesen Zeilen? Ich bin schon vor der KI kopiert worden, oft sogar wörtlich, doch sah ich es immer entspannt. Was bringt es, Worte anderer zu verwenden und damit Erwartungen zu schüren, die dem eigenen Angebot gar nicht entsprechen? Einlösen kann sie doch nur der, aus dessen Herzen sie kommen. Das gilt für Bücher genauso wie für alle anderen Texte.

10. Die KI kann keine Gefühle erzeugen

Und zu guter Letzt, aber umso wichtiger: Die Maschine kann Gefühle abbilden, aber nicht verstehen und damit auch nicht hervorrufen. Ärger ist gleich geballte Faust, Trauer sind Tränen. Das sind Klischees, mit ihnen kann man effekthascherisch, aber nicht emotional schreiben. Ist es nicht viel verführerischer (und für dich als Autorin befriedigender), die Gefühle in deinen Lesern selbst auszulösen? Ihnen nicht zu sagen, was sie gefälligst zu fühlen haben, sondern sie ihre eigenen Fäuste ballen zu lassen, ihre eigenen Tränen zum Rinnen zu bringen? Das kann die KI nicht, dafür bräuchte sie nämlich Empathie. Ohne Empathie kann man keine guten Geschichten erzählen.

Bevor du dich also vor der KI fürchtest, besinne dich auf deine Stärken, die dich als Autorin ausmachen. Auf deine einzigartigen, unverwechselbaren Geschichten. Auf deine lebendig gestalteten, mehrdimensionalen Charaktere und auf die Emotionen, denn die werden Menschen immer von Maschinen unterscheiden. Gerade im Vergleich mit der KI gilt:

Don’t tell – Make them feel!

Deine Barbara

Je individueller und anspruchsvoller du schreibst, desto weniger Sorgen musst du dir wegen der KI machen. Beim kreativen Schreiben sehe ich die Gefahr nur bei klischeelastigen und leicht austauschbaren Texten. Bei reiner Konsumliteratur, die nach dem immer gleichen Schema erstellt wird, und bei Storytelling ohne Seele und knisternde Vibes.