Finger weg vom Überhelden

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Zusammenfassung

Neulich stellte ich in meiner Facebook-Gruppe die Frage, worin der Antagonist dem Protagonisten überlegen ist. Da kamen viele interessante Antworten, sehr viele erschreckten mich aber auch ziemlich. Denn sie zeugten von Missverständnissen, die deinen Roman ordentlich torpedieren können.

Missverständnis Nr. 1: Der Held ist überlegen

Wenn der Held wirklich überlegen ist, woraus entwickelst du dann die Spannung? Wenn dein Held oder deine Heldin alles besser können, gehen sie souverän aus jedem Konflikt hervor, und ob sie ihre Ziele erreichen, steht zu keinem Zeitpunkt infrage. Außerdem werden deine Helden dadurch unsympathisch. Du weißt ja vielleicht, dass ich früher Karl May verschlungen habe, doch den großkotzigen Alleskönner Old Shatterhand habe ich regelrecht gehasst. Bis auf eine Szene, in der hegte ich Sympathien für ihn. Old Firehand hat nämlich eine Geschichte mit Winnetou, weit vor Old Shatterhand, und auf einmal ist Old Shatterhand außen vor und wirkt wie das fünfte Rad am Wagen. Da tat er mir leid.

Der Marchese, mein Meisterspion, ist ein exzellenter Fechter. Als ich in der Facebookgruppe schrieb, dass sein Widersacher besser ficht als er, erntete ich von einem Gruppenmitglied Erstaunen. Aber genau das macht den Antagonisten zu einem ernstzunehmenden Gegner, die Zweikämpfe spannend und ihren Ausgang ungewiss.

Missverständnis Nr. 2: Der Gegenspieler ist nur böse

Manche Autoren billigten ihren Gegenspielern zwar Überlegenheit zu, aber nur in puncto problematischer Charaktereigenschaften. Skrupellosigkeit zum Beispiel. Oder sie schoben die Überlegenheit auf die Gesellschaft und gestanden den Schurken Macht, Reichtum, Einfluss usw. zu. Aber sie beantworteten nicht die Frage, warum er diesen Einfluss überhaupt erringen konnte.

Auch Schurken haben was drauf. Sie haben überragende Fähigkeiten, oft sogar Verdienst für die Gesellschaft oder die Gruppe, und ihre Stärken sind per se gut und bewundernswert. Vermeide in deinen Romanen Schwarz-Weiß-Malerei. Du erringst die Sympathiepunkte für deinen Helden nicht dadurch, dass er moralisch überlegen ist, sondern dass er sich abrackert und bis zum Schluss kämpft. Und deinen Schurken hasst man weit mehr, wenn er ein ernsthafter Rivale für deinen Helden ist und ihm glaubwürdig das Wasser reichen kann.

Missverständnis Nr. 3: Leser lieben nur gute Menschen

Klar sympathisierst du mit deinem Helden, auch ich liebe meine. Gutmenschen sind aber ziemlich langweilig und über kurz oder lang nerven sie. Lass deine Helden problematisch sein und gib ihnen auch unsympathische Züge. Das macht sie realistischer und die Leser akzeptieren sie als Identifikationsfigur. Wenn sie etwas wirklich, wirklich wollen, wird es nämlich mit den guten Eigenschaften vorbei sein, sobald das Ziel in Gefahr steht. Lass deine Helden sich tief nach etwas sehnen und führe sie an ihre Grenzen. Dort offenbart sich ihr eigentlicher Charakter, und der ist zumeist sehr spannend.

By |2018-10-02T12:47:02+00:00September 21st, 2018|Categories: Vlog|Tags: , |

About the Author:

Barbara Drucker ist Schriftstellerin und Schreibcoach. Sie schreibt historische Thriller und Gay Romantic Suspense und zeigt dir, wie auch du ausgezeichnete Romane und Pageturner schreibst, die deine Leser verschlingen.