Welche Szene darf in deinen Roman? – 7 Entscheidungen, die ein guter Autor treffen sollte

Hast du auch immer ein ganzes Arsenal an tollen Szenen im Kopf? Kannst du es auch nicht erwarten, diese Szenen endlich zu schreiben? Schon sagenhaft, was alles in einen Roman passt. Sagenhaft, ja. Aber nicht clever. Diese Entscheidungen helfen dir bei deiner Szenenauswahl:

1. Erzähle eine Geschichte

Genau. Eine. Nicht zwei, drei, zehn, zwanzig. Eine. Du musst dich entscheiden, wovon dein Roman handelt, wenn dein Leser mitfiebern soll. Ich behaupte nicht, dass das einfach ist. Wenn ich ein neues Projekt beginne, fange ich selten bei der ersten Szene an, sondern mir schwirren eine ganze Menge davon im Kopf herum. Und dann muss ich auswählen. Ich weiß ja nicht, welche Technik du bevorzugst, ob sich alles nur in deinem Kopf abspielt, ob du Listen machst oder Mindmaps. Ist auch vollkommen egal, solange es funktioniert. Um eines aber kommst du nicht herum: um die Auswahl.

2. Bleib Herr deiner Geschichte

Es gibt Autoren, die planen jedes Detail, bevor sie sich an den Text setzen. Ganz so streng sehe ich das nicht, denn zumindest meine Figuren entwickeln sich während des Schreibens. Sie entwickeln ein Eigenleben und handeln sogar für mich manchmal überraschend. Wenn ich ihnen nun absolute Freiheit ließe, würde ich am 17. März 2015 in Wien beginnen und am 1. Juli 1763 in Lissabon hinauskommen. Übertrieben gesprochen. Ich muss also verhindern, dass die Figuren das Kommando übernehmen.

3. Plotten bewahrt dich vor Irrwegen

Du brauchst also ein Gerüst, für dich und deine Figuren. Du musst wissen, wohin die Geschichte prinzipiell geht, und deine Figuren an diesem roten Faden führen. Natürlich dürfen sie darum herumtanzen, aber sie sollten sich nicht komplett von ihm wegbewegen, sonst zerfleddert dir die Geschichte. Du führst deine Figuren von A nach B, und damit du das nicht aus den Augen verlierst, hilft dir der Plot. Das ist die verdichtete Zusammenfassung deiner Geschichte, dein Haupthandlungsstrang, den du auch für dein Exposé brauchen wirst.

4. Es gibt nur einen Haupthandlungsstrang

Entscheide dich für einige Schlüsselszenen, auf die du hinsteuerst. Das sind deine Meilensteine, auf die du dich beim Schreiben freuen kannst. Die, wo der Konflikt ganz besonders verdichtet wird, ganz intensiv aufflammt. Wo besonders viel Action oder Gefühl ist, Szenen, auf die du keinesfalls verzichten kannst. Aufgepasst! Kannst. Nicht willst. Liegt dir eine Szene so sehr am Herzen, dass du sie unbedingt schreiben willst, dann mach sie zu einer Schlüsselszene. Entwickle den Plot von ihr ausgehend.

5. Nebenhandlung

Nebenhandlungen sind wichtig, um falsche Fährten zu legen und den Leser (im positiven Sinn) zu verwirren. Du willst ja nicht vorhersehbar sein, oder? Aber wie der Name schon sagt, es sind Nebenhandlungen, und die haben sich dem Haupthandlungsstrang unterzuordnen. Sie haben keinen Selbstzweck, sondern eine Funktion. Wenn du also eine Szene hast, die sich nicht zur Schlüsselszene eignet, dann prüfe, ob sie dem Haupthandlungsstrang trotzdem dient. Zur Verwirrung, zur Erklärung, zum Aufbau des Konflikts, zur Steuerung des Tempos, zur Charakterisierung einer wichtigen Figur beispielsweise.

6. Weg mit Szenen ohne Funktion

Eine der wichtigsten Entscheidungen, die du im Schreibprozess treffen musst, ist die, was bleiben darf und was weg muss. Glaube mir, ich weiß, wie weh das tut. Und deshalb triff diese Entscheidung nie unmittelbar nach dem Schreiben der Rohfassung, denn da erscheint dir noch jeder einzelne Buchstabe wichtig. Lass den Text ein paar Wochen, noch besser Monate liegen. Ich habe wunderbare Szenen geschrieben, aber für den Roman taugten sie nichts. Und so konnte ich mich von ihnen trennen.

7. Wenn dein Herz dran hängt

Natürlich gibt es Szenen, an denen dein Herz hängt, und sie einfach zu löschen käme einem masochistischen Akt gleich. Deshalb lösche sie nicht. Kopiere sie dir in ein Ideen-File. Und wenn du sie nach einiger Zeit immer noch so gerne hast, dann nimm sie dir her und entwickle Schlüsselszenen für einen neuen Roman daraus. Und dann weißt du, was du zu tun hast: Dann entwickelst du den Plot um diese Szenen herum.

 

Wenn du einen packenden Roman, einen Pageturner schreiben willst, wirst du um Entscheidungen nicht herumkommen. Viel Spaß beim Entscheiden. Und beim Schreiben!

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Bild: © konradbak – Fotolia.com

By |2018-05-15T16:53:42+00:00März 20th, 2015|Categories: Story und Dramaturgie|Tags: , |

About the Author:

Barbara Drucker ist Schriftstellerin und Schreibcoach. Sie schreibt historische Thriller und Gay Romantic Suspense und zeigt dir, wie auch du ausgezeichnete Romane und Pageturner schreibst, die deine Leser verschlingen.